Was ist Gewalt?

Unser Gewaltverständnis

Gewalt kann verschiedene Formen annehmen und beginnt nicht erst bei einer körperlichen Verletzung. Es gibt körperliche, psychische, ökonomische, verbale und sexualisierte Gewalt. Wenn du diskriminiert wirst, deine Identität abgewertet wird, du belästigt oder bedroht wirst, sind das Formen von Gewalt. Gewalt kann dich verletzen, dich einschränken, verunsichern, psychische Narben hinterlassen und gesundheitliche sowie finanzielle Folgen haben.

mehr erfahren

Wir beraten Personen, die Homophobie, Trans*-Diskriminierung und Rassismus erfahren. Manche erleben Gewalt/ Diskriminierungen auch aufgrund einer Beeinträchtigung, ihres Alters, ihrer Herkunft oder weil sie kein oder wenig Geld haben. Oftmals treten die vielfältigen Diskriminierungen und Gewalterlebnisse in Kombinationen auf.

Gewalt kann von Einzelpersonen, aber auch von Behörden und anderen Einrichtungen, wie Schulen oder Krankenhäusern, ausgeübt werden. Strukturelle Gewalt bedeutet: Du bekommst keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu kulturellen, sozialen und ökonomischen Ressourcen der Gesellschaft, z.B. wenn es keinen barrierefreien Zugang in ein Gebäude gibt oder die Möglichkeit, bei einer Schwarzen Therapeutin Unterstützung zu bekommen.

Lesbische/bisexuelle Frauen, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen erfahren zwischenmenschliche Gewalt und Diskriminierung: Auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in ihrer Herkunftsfamilie. Lesbische/bisexuelle Frauen, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen üben auch Gewalt und Diskriminierung aus. Somit erleben Personen Gewalt auch in Organisationen von und für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen, in Freundschaften und in Beziehungen.

Wenn die Gewalt durch staatliche Personen und Gesetze ausgeübt wird, sprechen wir von staatlicher und struktureller Gewalt. So erleben Personen Gewalt zum Beispiel durch Polizei-Beamt:innen, wenn ohne Anlass die Personalien kontrolliert werden, die Polizei bei Einsätzen massive körperliche Gewalt anwendet oder manche Personen, zum Beispiel People of Color und/oder Trans*, als Kriminelle behandelt.

Von struktureller Diskriminierung sprechen wir dann, wenn scheinbar neutrale Regelungen oder Kriterien dazu verwendet werden, einzelne Personen oder soziale Gruppen zu benachteiligen. Wenn in Fernsehserien ausschließlich heterosexuelle Menschen dargestellt werden und keine lesbischen, bisexuellen oder schwulen Menschen vorkommen, dann ist das ein Beispiel für strukturelle Homodiskriminierung.

Das Transsexuellengesetz (TSG) ist ein Beispiel für Gewalt, die durch gesetzliche Regelungen entsteht: Trans*Personen, die medizinische und rechtliche Möglichkeiten der Geschlechtsangleichung wahrnehmen möchten, werden als krank bezeichnet und zur psychologischen Begutachtung gezwungen.

Wir betrachten jede Form von Rassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung aufgrund von Behinderung/Beeinträchtigung), Alters-Diskriminierung, Klassismus (Diskriminierung aufgrund von sozialem Status), Homo- und Trans*-Diskriminierung als Gewalt.

Was ist Mehrfachdiskriminierung?

Lesben, Bisexuelle, Schwule, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen erfahren Diskriminierung nicht nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrem Geschlecht.

mehr erfahren

Lesben, Bisexuelle, Schwule, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen sind häufig von mehreren Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Ableismus (Diskriminierung aufgrund von Behinderung/ Beeinträchtigung), Altersdiskriminierung, Klassismus (Diskriminierung aufgrund des sozialen Status), Homophobie und Trans*-Diskriminierung betroffen. Sie befinden sich immer an verschiedenen Schnittstellen von Identitäten und Diskriminierungen.

Hier ist ein Beispiel: Eine Frau of Color wird nach einem Autounfall von der Polizei nicht ernstgenommen und mit Witzen und Sprüchen belästigt. Sie vermutet, dass das an ihrem Akzent, ihrem androgynen Auftreten und dem Regenbogenaufkleber auf ihrem Auto liegt. Hier verweben sich mehrere Diskriminierungsverhältnisse wie Rassismus, Homophobie und (Hetero)Sexismus. Sie sind voneinander nicht zu trennen und finden auf mehreren Ebenen statt. Die Gewalt setzt sich aus rassistischer Abwertung und homophoben und sexistischen Vorurteilen zusammen. Damit wird Lesbisch-Sein als selbstbestimmte Lebensweise verleugnet und nicht ernst genommen. Es ergibt sich eine spezifische Diskriminierungs-Erfahrung, die nicht mit der Diskriminierung vergleichbar ist, die ‚allein’ aus einem einzigen Grund geschieht. Diese spezifische Diskriminierung wird Mehrfachdiskriminierung genannt.

Sie kann sehr verschiedene Formen annehmen, wie zum Beispiel:

  • Körperliche und psychische Gewalt: Beleidigung, Belästigung, Bedrohung, Abwertung, Herabsetzung und ähnliches
  • Ausschluss oder eingeschränkter Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen, Rechten
  • Ausschluss oder eingeschränkter Zugang zur politischen und kulturellen Beteiligung
  • Ausschluss aus Literatur, Bildungsmaterialien, Medien oder ausschließlich stereotype, abwertende Darstellung

Unser Ziel ist es, sich gegen alle Arten von Gewalt und Diskriminierung einzusetzen. Wir finden es wichtig, in die Anti-Diskriminierungs-Arbeit die unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen von Lesben, Bisexuellen, Schwulen, trans*, inter*, nicht-binären und queeren Menschen, wie Rassismus, Klassismus, Ageismus, Ableismus etc. miteinzubeziehen. Wir wollen, dass Menschen die Möglichkeit haben, ihre ganze Persönlichkeit zeigen und leben zu können.

Identität kennt kein Entweder – Oder.

Die Lesbenberatung Berlin wird gefördert von

Die Grafik zeigt das Logo der Logo der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung